Autor: Murray Edelman
ISBN-13: 9783593377513
Veröffentl: 01.03.2005
Einband: Taschenbuch
Seiten: 223
Gewicht: 315 g
Format: 213x139x17 mm
Sprache: Deutsch

Politik als Ritual

Campus Bibliothek
Die symbolische Funktion staatlicher Institutionen und politischen Handelns, Originaltitel:The Symbolic Uses of Politics. Politics as Symbolic Action, Mass Arousal and Quiesence
 Taschenbuch
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Politik als Ritual
Die symbolische Funktion
staatlicher Institutionen und
politischen Handelns
1
Wenn Politiker die Höhe von Managergehältern anprangern oder eine Unterschriftenaktion gegen den EU-Beitritt der Türkei durchführen wollen, wenn George W. Bush von der "Achse des Bösen" spricht und vom Recht der amerikanischen Nation, sich zu verteidigen, ist das "symbolische Politik". Es war der 2001 verstorbene Murray Edelman, der diesen Begriff geprägt hat. Seither wissen wir, dass auch moderne Demokratien Rituale und Mythen verwenden, um sich zu inszenieren. Edelman hat gezeigt, wie Gefühle und Überzeugungen der Bürger durch Politik geformt und von Politikern benutzt werden. Bis heute ist Politik als Ritual ein Klassiker der politischen Kommunikationsforschung, angesichts der jüngsten Inszenierungen heute aktueller und spannender denn je.
Autor: Murray Edelman
ワbersetzung von: Holger Fliessbach, Benedikt Burkard
Murray Edelman lehrte Politische Wissenschaft an der University of Wisconsin-Madison.Claus Offe war bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2005 Professor für Politische Soziologie und Sozialpolitik an der Humboldt-Universität zu Berlin und lehrt heute Politische Soziologie an der Hertie School of Governance.
Nachwort

Frank Nullmeier

Murray Edelmans "Politik als Ritual" verdanken wir einen eigenen Kritiktypus: Wann immer wir eine Politik als "symbolisch" bezeichnen, rekurrieren wir auf den Grundgedanken seines Buches. Symbolische Politik steht für falschen Schein, bewusste Täuschung, eine Politik des 'Als-ob', für Placebopolitik, Verschleierung, Verstellung, Übertünchung, Verdrängung, für Politik als Unterhaltungsshow, als
ästhetische Inszenierung, als Medienspektakel und Massenmanipulation. "Wer eine Politik als symbolisch bezeichnet, kritisiert sie schon allein durch die Wahl dieser Bezeichnung und impliziert damit, dass man es anders und besser machen könnte und sollte" (Hansjürgens/
Lübbe-Wolff 2000: 12). Symbolische Politik basiert auf strategischem Handeln politischer Eliten, die an der Intransparenz der 'wahren', der 'eigentlichen' Politikprozesse interessiert sind. Politik zerfällt in zwei Wirklichkeiten: die für den Bürger vor allem medial zugängliche Welt des schönen Scheins und die im Stillen sich vollziehende Interessenpolitik. Diese kann sowohl darin bestehen, große Veränderungen zugunsten einzelner Gruppen und Akteure herbeizuführen, als auch darin, dass überhaupt nichts Relevantes passiert. Die Politik des Scheins vermag ein äußerst bewegtes ebenso wie ein beinahe unbewegtes Sein zu verbergen. So kann man einerseits beklagen, dass 'bloß' symbolische Politik, mithin nur eine Oberflächenbewegung ohne Substanz stattfindet, oder andererseits, dass etwas gegen die Interessen vieler Menschen und zum Nutzen von Wenigen geschieht, was jedoch angesichts geschickter öffentlicher Inszenierung gar nicht sichtbar oder absichtlich verdeckt wird. In beiden Fällen lebt die Rede von symbolischer Politik davon, dass eigentlich etwas anderes geschieht als das, was zu sehen ist. Das Kritikmuster "symbolische Politik" tritt heute - nach dem Ende der Ideologien - das Erbe der Ideologiekritik an.
Statt Ideologien beherrschen Inszenierungen und Scheinpolitiken die Zustimmungsbereitschaft der Wähler. Folglich muss sich die Kritik auf die Möglichkeiten erstrecken, mit Bildern und Sprache, mit Mythen und Ritualen die Herrschaftssicherung mittels passender
Überzeugungen auf Seiten der Bürger zu betreiben. Im Wahlkampf findet diese Kritik ihren vornehmsten Gegenstand. Ein zunehmend professionelleres Management der Wahlkämpfe nutzt die jeweils modernsten Symbolformen. Sind Bilderwelten wirksamer als Texte, werden sie sich im Wahlkampf durchsetzen. So ist der Wahlkampf Musterfall symbolischer Politik und zugleich Spiegel des gerade erreichten Standes der Wirkungsweise von Symbolen und ihrer höchst unterschiedlichen Kraft.
Die Kritik an symbolischer Politik und Wahlritualen in Wissenschaft wie Öffentlichkeit fand ihren bisherigen Höhepunkt Ende der 1990er Jahre bis zur Bundestagswahl 2002. Die Modernisierung der Politikpräsentation, der Ausbau der Wahlkampfapparate, die verstärkte Medialisierung von Politik allgemein und speziell die auf Medienpräsenz ausgerichtete Politik des Bundeskanzlers Schröder haben die 'Show'- und 'Performance'-Dimension des Politischen in den Vordergrund gerückt. Medienberater und Spin Doctors, Wahlkampfmanager und Kommunikationsagenten wurden zu die Öffentlichkeit stark interessierenden Strategen der Politik. Politik schien zu Politainment zu mutieren, Wahlkämpfe zu Inszenierungen, die auf expressive Überwältigung der Wähler zielten. Als Ursache dieses Vorrangs der Showpolitik nannte man oft die Medien und deren neue Machtstellung. Partei- und Regierungspolitik müsse aus Gründen des Wirksamwerdens immer mehr auf die Funktionsweise und Aufmerksamkeitszyklen der Massenmedien eingehen. Der Parteienstaat werde durch die zunehmende Medienvermittlung der Politik und die gesteigerte Konkurrenz unter den Medien zur "Mediokratie" (Meyer 2001).
Durch Konzentration auf Wahlkämpfe und deren immer perfektere Inszenierung kam es aber sowohl auf Seiten der Wissenschaft wie auf S

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Autor: Murray Edelman
ISBN-13:: 9783593377513
ISBN: 3593377519
Erscheinungsjahr: 01.03.2005
Verlag: Campus Verlag GmbH
Gewicht: 315g
Seiten: 223
Sprache: Deutsch
Auflage 05003, 3., erw. A
Sonstiges: Taschenbuch, 213x139x17 mm